Thomas Rödl, 21.8.06

Auf Achse für Frieden, Abrüstung und ein ziviles Europa.

Zum dritten Mal in Reihe veranstalteten die Landesverbände Bayern und Baden-Württemberg der DFG-VK eine Friedensfahrradtour zu Standorten der Rüstungsindustrie und der Bundeswehr in Südbayern und Baden-Württemberg. „25 Pazifisten Radeln für Frieden und Abrüstung", „Aktivisten werben für Rüstungsabbau", „Fahrradtour für den Frieden", so die Schlagzeilen der Zeitungen in Memmingen, Friedrichshafen, Tuttlingen und Spaichingen. Dazu immer ein Bild mit den „Pace"- Fahnen, der DFG-VK Fahne oder der Parole „Abrüstung statt Sozialabbau". Die Friedensfahrradtour, 2 Dutzend Fahradfahrer mit bunten Fahnen und kleinen Plakaten, erregt Aufmerksamkeit nicht nur bei PassantInnen, sondern bewirkt auch Meldungen in den Lokalzeitungen. Dazu kommen kurze Beiträge in einigen Lokalradios (z.B. Radio 7 in Tuttlingen), oder sogar ein kurzer Beitrag im privaten Regionalfernsehen „Euro 3" in Oberschwaben. An der Spitze steht aber die Berichterstattung über den Höhepunkt der diesjährigen Friedensfahrradtour, die Gewehr-Zersägungs-Aktion vor Heckler und Koch in Oberndorf, in Presse und Fernsehen.

Wozu die Friedensfahrradtour?

Die Aktions- Radltour „Auf Achse für Frieden"

> wirbt für Schritte zur Abrüstung und eine zivile Außen- und Sicherheitspolitik

> wirbt für die Idee einer atomwaffenfreie Zone in Europa,. zusammen mit den „Mayors for Peac" (internationale Intitiative von Bürgermeistern gegen Atomwaffen)

> wirbt für eine kontinuierliche Senkung der Rüstungsausgaben und die Umstellung der Rüstungsindustrie auf zivile Produktion

> wendet sich gegen den Export Von Waffen und Rüstungsgütern aus Deutschland

> sucht das Gespräch mit Menschen, die von Rüstungsproduktion und Militär abhängig sind, u.a. bei Diskussionsveranstaltungen und bei gewaltfreien Aktionen vor Werkstoren von Betrieben von EADS, Heckler u. Koch u.a.

> sucht Bundeswehrstandorte und umgewandelte Militärflächen auf.

So schreiben wir in unserem Flugblatt. Eine ganze Reihe von Themen wird hier angesprochen. So nebenbei machen wir auch noch den Namen unserer Friedensorganisation bekannt und sammeln Unterschriften für die „Schritte zur Abrüstung". Im Idealfall wird auch noch die Kampagnenadresse www.schritte-zur-abrustung.de erwähnt oder ist in einem Bild sichtbar.

Und was erreicht?

Die Reaktion vieler Menschen ist freundlich bis zustimmend. Wir vermitteln auf jeden Fall: Hier sind Menschen, die für den Frieden auf dem Fahrrad strampeln. Die Friedensbewegung wird für einen Augenblick wieder sichtbar, in vielen Orten, in denen keine Friedensbewegung mehr existiert (oder nie existiert hat), oder nicht mehr öffentlich in Erscheinung tritt. Das öffentliche Erscheinen der „Friedensbewegung" (mit der man uns zunächst mal in einen Topf wirft) wurde in diesem Jahr erfreulich umfangreich von den lokalen Medien aufgegriffen und damit multipliziert.

Die lokalen Medien interessieren sich natürlich für den lokalen Bezug - der bestand in den meisten Fällen im Empfang durch den örtlichen Oberbürgermeister bzw. Stellvertreter/in. Alle Bürgermeister in den Städten entlang unserer diesjährigen Fahrtroute hatten wir im Vorfeld angeschrieben- die „Mayors for Peace" reagierten überraschend positiv: Die Friedensfahrradtour wurde empfangen von Oberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger in Memmingen, von Oberbürgermeister Michael Lang in Wangen, von Bürgermeisterin Margarita Kaufmann in Friedrichshafen, von Oberbürgermeister Weber in Überlingen, von Oberbürgermeisterin Russ- Scherer in Tübingen. Ein Empfang in Esslingen kam aus Termingründen nicht zustande. Bemerkenswert ist in bzw. außerhalb dieser Reihe der Bürgermeister von Spaichingen (Baden-Württemberg), CDU, der noch nicht Mitglied der internationalen Initiative der Bürgermeister ist. Er fand aber sehr nachdenkliche Worte zum Thema Krieg und Frieden, und wollte sich in seinen Ferien überlegen, ob er der Intitiative beitreten will. Wir sind gespannt.

Beim Friedensmuseum in Lindau werden wir von einem Stadtrat der „bunten Liste" empfangen - im Auftrag der CSU- Oberbürgermeisterin, sowie durch einen Vertreter der Linkspartei. In Tuttlingen begrüßt uns eine Vertreterin der „Links-bunten-Liste". Alle betonen die Wichtigkeit der Friedensarbeit und unserer Aktion.

Mi unserer Fahrradtour geben wir den BürgermeisterInnen Anlaß und Gelegenheit, in der Öffentlichkeit deutlich zu machen, daß sie für die Abschaffung der Atomwaffen sind. In meinen obligatorischen Statements bei den Empfängen versuche ich jeweils den Bogen zu spannen von den Atomwaffen zur allgemeinen Abrüstung, zur Senkung des Rüstungshaushaltes und der Umstellung der Rüstungsindustrie. Die Diskussionen mit den BürgermeisterInnen waren natürlich sehr unterschiedlich, während die einen die Gelegenheit nutzen, die örtlichen touristischen highlights herauszustellen, gab es mit anderen einen kurzen und intensiven Gedankenaustausch zum Thema.

So nebenbei erfuhren die mehrheitlich aus Bayern stammenden Mitradler noch ausgewählte Aspekte der Geschichte Baden- Württembergs.

Als Souvenir erhalten die BürgermeisterInnen die Friedenskekse (s.u.) und natürlich das zerbrochene Gewehr als Anstecknadel.

Aktionsradltour

Infostände sind eine traditionelle Aktion, wir bieten unser Infomaterial an, verteilen unsere Flugblätter - knapp 3500 während der Tour. „Jeder Euro für Waffen kommt aus Euren Taschen" - diese Schlagzeile auf dem Flugblatt soll verdeutlichen, daß die Masse der Steuerzahler die Rüstungsausgaben finanziert, und nur eine kleine Minderheit scheinbar von Rüstung und Militär abhängig ist. Die erfreulich große Zahl der MitfahrerInnen in diesem Jahr (immer mindestens 17 Radler, bei der Fahrraddemo in München 38, dann in den ersten Tagen 23- 25 Radler; der größte Teil aus Bayern, aber auch Aktive aus Baden-Württemberg, Rheinland Pfalz und NRW) ermöglicht auch mehr Zeit für Diskussionen mit Passanten bei den Infoständen, aber auch für den einzelnen die Chance, mal Pause zu machen, weil immer jemand da ist, der Lust hat zu verteilen..

Um unsere Sache noch schmackhafter zu machen, gab es in diesem Jahr 600 Friedenskekse (Friedenszeichen aus Zuckerguß auf einem flachen Keks mit ca 60 mm Durchmesser), in einer Klarsichthülle zusammengeheftet mit dem erwähnten Flugblatt und einer Karte mit dem Friedensquiz.)

Eine weitere gewaltfreie Aktionsform während der Tour sind kurze oder längere Mahnwachen. Start der Tour war eine zweistündige Mahnwache vor der Zentrale der „European Aeronautic Defence and Space Company" (EADS), der größte europäische Rüstungskonzern, in Ottobrunn bei München. „EADS- Krieg ist Euer Geschäft" und „jeder Euro für Waffen kommt aus euren Taschen" - diese Sprüche hatten wir auf Transparente gemalt, weil es dort am Stadtrand kaum Fußgänger gibt, mensch ist hier bevorzugt mit dem Auto unterwegs. Eine weitere Mahnwache gab es vor dem EADS- Standort Immenstaad am Bodensee. In beiden Fällen gelang es nicht, die Medienvertreter anzulocken. Spezialität der Fahrradtour, nun zum dritten Mal, ist eine Frühaufsteher-Aktion: Flugblätter verteilen an die Werksangehörigen eines Rüstungsbetriebes - dieses Mal in Friedrichshafen, MTU Werk 2, am historischen Standort wo einst die Zeppeline gebaut wurden. Halb sieben bis halb acht Uhr morgens, keine typische Zeit für Aktionen der DFG-VK. Die örtliche Situation ist immer unterschiedlich, so daß es von vielen Faktoren abhängt, ob wir wirklich viele MitarbeiterInnen erreichen. Auch dieses Mal in Friedrichshafen (nach Eurocopter, Donauwörth, und Eurofighter-Montagewerk Manching in den Vorjahren) reagierten die angesprochenen Arbeiter und Angestellten freundlich und neutral, nur wenige ablehnend. Herausragendes Statement einer Angestellten: „Die Politiker sind doch die größten Verbrecher". Keiner widerspricht. Vor MTU Werk zwo war auch zum einzigen Male die Polizei anwesend, der Werkschutz hatte angerufen, die Aktion mit etwa einem Dutzend TeilnehmerInnen war nicht angemeldet.

Der Abschluß der Aktion war auf dem Marktplatz in Ludwigsburg (bei Stuttgart). Hier wurden wir von etwa 50 interessierten Menschen begrüßt und ich hatte Gelegenheit, von den Anliegen und den Erfahrungen mit der Friedenstour zu berichten. Dann sollten die Sportfahrer der Pace-Maker Tour - von Büchel nach Ludwigsburg - begrüßt werden und in einer gemeinsamen Abschlußveranstaltung sollten beide Aktionen, beide für eine Welt ohne Atomwaffen, ausklingen. Das ist leider gründlich ins Wasser gefallen - annähernd gleichzeitig mit der Ankunft der Pacemakers ging ein Platzregen nieder, der selbst manch hartgesottenen Tourenfahrer erzittern ließ.

Perspektive

Das Vorbreitungsteam aus München und die anderen Mitorganisatoren aus Bayern sind höchst motiviert, auch im nächsten Jahr eine Friedensfahrradtour auf die Beine zu stellen. Rüstungsbetriebe und Bundeswehrstandorte gibt es überall - schafft ein, zwei , drei viele Friedensfahrradtouren! Unsere Erfahrungen geben wir gerne weiter.

(Bildergalerie demnächst auf der Homepage, ausführlicherer interner Bericht und eine Dokumentation ist in Arbeit)